seattle

Washington State

4 Tage im Juli 2023

  • ESTA beantragen
  • Hostel buchen
  • Reiseführer lesen
  • Öffentlichen Verkehr recherchieren
  • Pike Place Market
  • Seattle Waterfront
  • Gum Wall
  • Klondike Gold Rush Museum
  • Chinatown
  • Kerry Park mit Blick auf die Space Needle 
  • Seattle Library
  • Hostel 4 Nächte für 2 Personen 320€
  • Transport (öffentliche Verkehrsmittels) 20€
  • Verpflegung (überwiegend Supermarkt und Imbiss) 220€
  • Tickets und Freizeit 75€
  • Gesamtkosten ohne Flug 635€

welcome to the USA

Man hat ja schon viele Horrorgeschichten über die Einreise in die Staaten gehört, aber wir wollten nicht so ganz glauben, dass sie wahr sind. Wir haben natürlich im Vorfeld unser ESTA besorgt und uns über die Einreise gründlich informiert.  An der Passkontrolle gibt es trotzdem ein  Problem. Angeblich stimmt etwas mit meinen Fingerabdrücken nicht, weshalb wir den Cops in den hinteren Bereich des Flughafens folgen sollen. Obwohl es ein Problem mit meinem Pass ist, müssen wir beide die Handys und die Pässe abgeben. Das ganze fühlt sich gar nicht gut an und macht uns auch ziemlich nervös. Wir werden in einen gekachelten Raum mit klassischen Wartezimmerstühlen geführt, uns gegenüber sitzen ein paar Officer leicht erhöht hinter Computern. Niemand spricht mit uns. Der Cop, der unsere Pässe hat, verschwindet in irgendeinem Hinterzimmer. Uns ist bewusst, dass das hier eine Machtdemonstration ist, trotzdem kommt uns die Wartezeit ewig vor. Irgendwann kommt der Grenzbeamte zurück und wir sollen ihm folgen. Unsere Gepäckstücke werden noch einmal gescannt und hier finden wir auch endlich einen Grund für unseren Freiheitsentzug. In meinem Gepäck befindet sich ein originalverpacktes Sandwich aus Island und darauf sind einige Tomatenscheiben. Das zählt quasi als Saatgut und das darf man natürlich nicht einführen. Mein Sandwich wird konfisziert und vernichtet und wir dürfen den Flughafen verlassen. Von den Fingerabdrücken spricht übrigens niemand mehr. Gerade noch mal Glück gehabt. 

Pike Place Market

Wir haben uns im schrammeligen Green Tortoise Hostel halbwegs gut von der Einreise erholt und beginnen unseren ersten Tag in Seattle mit einer Free Walking Tour beginnen. Erstmal gibt’s aber ein klassisch amerikanisches Frühstück mit Cereals und Peanut Butter Jelly Toast. Gestärkt machen wir uns zum Treffpunkt auf. Da das Hostel wirklich zentral am Pike Place Market liegt, müssen wir nur zwei Minuten gehen. Auf dem Platz stehen bereits ein paar Tourist*innen und ein großer bärtiger Mann mit Fahne. Er stellt sich als Emmet „The man with the beard and the flag“ vor. Er erklärt uns viel zur Geschichte des Marktes und führt uns souverän durch die Markthallen.

Der Pike Place Market wurde 1907 gegründet und ist damit einer der ältesten durchgängig geöffneten Märkte der Vereinigten Staaten. Kurz bevor der Markt geöffnet wurde, stiegen die Lebensmittelpreis so in die Höhe, dass die Bauern kaum noch Geld verdienten, wenn sie die Ware durch Mittelsmänner verkauften. Aus der Not heraus stellten sich die Produzenten selber auf die Straße, um ihr Obst, Gemüse, Fleisch und andere Produkte an die Verbraucher*innen zu bringen. So ist es übrigens bis heute. Auf dem gesamten Markt wird direkt vom Produzenten an die Kund*innen verkauft. So verspricht es auch das große Schild über einem der Marktgebäude „Meet the Producer“.

Besonders kurios, im Eingangsbereich des Marktes steht ein bronzenes Schwein, das als „Piggy Bank“ Spenden für verschiedene soziale Einrichtungen sammelt. Das Schwein gab es wirklich und es hieß Rachel. Rachel hat 1977 den Preis für das schönste Schwein gewonnen und ging seitdem tagein tagaus auf dem Markt spazieren. Die Leute streichelten sie und gaben ihr Futter. Weil die Trauer nach ihrem Tod so groß war, wurde ihr 1986 ein Denkmal gesetzt.

Es wird übrigens behauptet, dass Starbucks hier seinen ersten Laden hat, das stimmt allerdings nicht so ganz, denn der Laden war ursprünglich in der Western Street und ist erst in den 70ern auf den Markt gezogen. Das hält die Touristenscharen aber nicht davon ab, stundenlang für ein Selfie anzustehen. Die berühmte Pike Place Röstung bekommt ihr auch in jedem anderen Starbucks 😉

In jedem Fall ist der Pike Place Market mindestens zwei Besuche wert, denn am Nachmittag ist es ein völlig anderer Markt als am Morgen. Während einem Morgens Fische am Kopf vorbeifliegen und man an überladenen Ständen mit Obst, Gemüse und wundervollen Blumen vorbei schlendert, übernehmen am Nachmittag die Kunsthandwerker*innen. Es ist definitiv einer der schönsten Orte in Seattle.

Seattle Gum Wall

Von der schönsten Sehenswürdigkeit führt Emmet uns direkt zur widerlichsten. Nur ein Katzensprung vom Pike Place Market befindet sich die Gum Wall. Eine Gasse voller Kaugummis. Es war wohl früher so, dass man junge Leute ermahnt hat, ihre Kaugummis auszuspucken, bevor sie in eine Show gehen. Aus Protest klebten sie dann die bunten Gummibatzen an die Hauswand. Das ist wohl recht schnell eskaliert, denn mehr als 100 Meter sind bereits bunt und klebrig. Die Stadt lässt die Kaugummis jedes Jahr entfernen, aber es dauert nur ein paar Monate, bis sie wieder so schön bunt aussieht. Wem also noch ein Selfie vor einer farbenfrohen Kaugummiwand fehlt, der ist hier goldrichtig. Aber Achtung, wenn’s heiß wird, verflüssigen sich die Kaugummis und man kann schnell mal am Boden kleben bleiben.

Space Needle, Chinatown, Waterfront

Wir haben uns den Eintritt zur Space Needle gespart und uns den großen Fernsehturm nur von weitem angesehen. Will man die Space Needle besteigen, müssen pro Person mindestens 35$ einkalkuliert werden. Völlig gratis kann man einen Blick auf die Space Needle und ganz Seattle vom Kerry Park aus werfen. Der Anstieg zum Park ist recht streng, wird aber mit einer sensationellen Aussicht  belohnt. 

Für Foodies lohnt sich ein Ausflug nach Chinatown. Hier kann man vergleichsweise günstig authentisches chinesisches Essen genießen und einen Blick auf das reich verzierte Eingangstor werfen.

Die Seattle Waterfront ist die Vergnügungsmeile der Stadt. Hier gibt es jede Menge Straßenkünstler*innen und Popkultur. Egal ob man an einem nostalgischen Flipper spielen, Hummer essen oder Riesenrad fahren möchte, hier gibt’s für jede*n was.

Etwas außer der Reihe der Sehenswürdigkeiten ist die Public Library. Uns hat das Gebäude von außen und von innen gleichermaßen beeindruckt. Durch gläserne Architektur gibt es im Inneren unglaublich viel Licht und tollen Schattenspiele. Auf 10 Etagen findet hier jeder Bücherwurm, was er sucht. Was uns besonders gefallen hat, ist, dass die Bibliothek offen für Wohnungslose ist. Viele Menschen, die auf der Straße leben, können sich hier aufwärmen, waschen, lesen oder das Internet nutzen.

Ist Seattle eine Reise wert?

Wir müssen zugeben, dass Seattle nicht zu den schönsten Städten gehört, die wir je besucht haben. Alles ist sehr teuer, die Stadt ist nicht besonders sauber und es gibt ein großes Problem mit Fentanyl und Obdachlosigkeit. Wenn man abends durch die Straßen geht, sind viele Geschäfte und Restaurants geschlossen und man sieht häufig Menschen, die sich im Rausch wie lebende Tote bewegen. Auch wenn wir in keiner Weise bedroht wurden, fühlten wir uns trotzdem nicht ganz sicher. Wir haben Seattle als Ausgangspunkt unserer Weltreise gewählt, weil es sehr dicht an Vancouver liegt und der Flug deutlich günstiger war, als direkt nach Kanada zu fliegen. Wir hatten ein paar nette Tage zum akklimatisieren und können vor allem den Pike Place Market und das umliegende Viertel wärmsten empfehlen. Es ist ein quirliger bunter Ort, mit vielen Künstler*innen und Farmern. Trotzdem hat uns Seattle auch direkt auf die großen Probleme der USA aufmerksam gemacht, die uns auf unserer weiteren Reise auch immer wieder begegnen. Man kann eine Stadt wie Seattle nicht in vier Tagen vollständig erkunden und wir sind sicher, dass viele Bewohner*innen diese Stadt heiß und innig lieben, aber für uns wird es wohl keinen zweiten Besuch geben.